So bereitest du dich richtig auf den Draft vor

Veröffentlicht am 13. August 2026 um 12:00

Der Draft ist kein Glücksspiel.

Natürlich gehört Glück dazu. Verletzungen, Breakout-Spieler, Trades und unerwartete Entwicklungen kann niemand vollständig vorhersehen. Aber wer unvorbereitet in einen Redraft-Draft geht, macht sich das Leben unnötig schwer.

Gerade in einer Liga mit Auf- und Abstieg kann ein schlechter Draft den gesamten Saisonverlauf beeinflussen.

Deshalb gilt:

Die beste Draftstrategie beginnt nicht am Draft-Tag – sondern mehrere Tage oder Wochen vorher.

1. Kenne die Regeln deiner Liga

Bevor du Rankings studierst, solltest du deine eigenen Liga-Regeln kennen.

Wie viele Starter gibt es?

Wie viele Bench-Spots?

Wie wird gescort?

PPR, Half-PPR oder Standard?

Gibt es Flex-Positionen?

Wie viele Teams erreichen die Playoffs?

Und vor allem: Wie funktioniert Auf- und Abstieg?

Diese Punkte verändern den Wert einzelner Spieler teilweise erheblich.

Ein Running Back kann in einer Liga mit mehreren Flex-Spots beispielsweise deutlich wichtiger sein als in einer Liga mit wenigen Starting Slots. Ein guter Tight End kann in einer TE-Premium-Liga einen völlig anderen Stellenwert bekommen.

Es gibt nicht das eine richtige Ranking. Es gibt nur Rankings, die zu den Regeln deiner Liga passen – und Rankings, die es nicht tun.

2. Erstelle deine eigenen Tier-Listen

Verlass dich nicht ausschliesslich auf ein öffentliches Ranking.

Rankings sind hilfreich, aber während des Drafts brauchst du vor allem eines:

Tiers.

Statt beispielsweise die Spieler einfach von 1 bis 100 zu sortieren, gruppierst du sie nach ungefähr gleichem Wert.

Zum Beispiel:

Tier 1 – Elite

Spieler, die du unabhängig von der Position sehr gerne in deinem Team hättest.

Tier 2 – Starter

Spieler mit hoher Wahrscheinlichkeit auf starke Fantasy-Produktion.

Tier 3 – Upside

Spieler mit etwas mehr Risiko, aber grossem Potenzial.

Warum ist das wichtig?

Weil ein Ranking von 35 und 36 suggeriert, dass zwischen beiden Spielern ein klarer Unterschied besteht.

Ein Tier dagegen sagt:

„Diese fünf Spieler sind für mich ungefähr gleichwertig.“

Wenn dann vier Spieler aus deinem Tier verschwinden, weisst du, dass du reagieren solltest.

3. Bereite dich auf mehrere Draft-Verläufe vor

Der häufigste Fehler ist, vor dem Draft einen einzigen Plan zu haben.

„Ich nehme in Runde 1 einen Running Back, dann zwei Receiver und danach einen Quarterback.“

Klingt gut.

Bis drei deiner Lieblingsspieler bereits vor deinem Pick verschwunden sind.

Deshalb solltest du mehrere Szenarien vorbereiten.

Szenario A: Running Backs fallen

Dann kannst du früh bei RB zuschlagen und dir später die anderen Positionen sichern.

Szenario B: Wide Receiver fallen

Dann kann es sinnvoll sein, diese Gelegenheit mitzunehmen, anstatt zwanghaft deinen ursprünglichen Plan durchzuziehen.

Szenario C: Alle nehmen früh Quarterbacks

Hier kann Geduld besonders wertvoll sein.

Wenn deine Liga plötzlich zehn Quarterbacks in den ersten Runden draftet, entstehen möglicherweise an anderen Positionen interessante Werte.

Der Draftplan ist ein Kompass – kein Navigationsgerät.

4. Verstehe Value statt nur Positionen

„Ich brauche noch einen Running Back.“

Das ist keine gute Begründung für einen Pick. Die bessere Frage lautet:

„Ist dieser Spieler jetzt wertvoller als die Alternativen, die wahrscheinlich noch verfügbar sein werden?“

Vielleicht hast du bereits drei gute Wide Receiver, aber ein aussergewöhnlicher WR fällt plötzlich unerwartet weit.

Dann kann der vierte Receiver trotzdem der richtige Pick sein.

Andersherum solltest du nicht einfach einen Quarterback nehmen, nur weil du „noch einen brauchst“, wenn auf anderen Positionen noch deutlich mehr Value vorhanden ist.

Draft nach Wert – nicht nach Checkliste.

5. Kenne deine Liga-Konkurrenz

In einer Redraft-Liga spielt nicht nur dein Ranking eine Rolle.

Du musst auch deine Mitspieler lesen.

Wer draftet nach NFL-Team?

Wer lässt sich von einem grossen Namen beeinflussen?

Und besonders wichtig:

Wer sitzt direkt vor dir?

Wenn du weisst, dass ein Manager einen bestimmten Spieler unbedingt haben möchte, musst du damit rechnen, dass dieser Spieler vor deinem nächsten Pick verschwindet.

Fantasy Football ist schliesslich nicht nur ein Spiel gegen die Spieler.

Es ist ein Spiel gegen die anderen Manager.

6. Bereite deine Bye Weeks vor – aber überbewerte sie nicht

Bye Weeks sollten berücksichtigt werden.

Aber sie sollten niemals dein gesamtes Draftboard bestimmen.

Ein Spieler wird nicht plötzlich schlechter, weil er in Woche 8 spielfrei hat.

Wenn du einen deutlich besseren Spieler bekommst, nimm ihn.

Bye Weeks lassen sich während der Saison durch Waiver Wire, Trades und Lineup-Management auffangen.

Talent lässt sich dagegen nicht einfach nachträglich auf den Waiver Wire legen.

7. Nicht zu früh auf die Bank schauen

Ein weiterer klassischer Fehler:

„Ich brauche jetzt noch einen Backup-Quarterback.“

Oder:

„Ich brauche einen zweiten Tight End.“

Währenddessen sind noch Spieler verfügbar, die dein Starting Lineup deutlich verbessern könnten.

Die Bank ist wichtig. Aber Starter gewinnen dir Spiele.

Gerade zu Beginn des Drafts sollte der Fokus deshalb auf möglichst viel Starter-Value liegen.

Je weiter der Draft fortschreitet, desto wichtiger werden Upside, Handcuffs und Banktiefe.

8. Identifiziere deine Sleeper

Jeder Manager sollte vor dem Draft eine kleine Liste mit Spielern haben, die er deutlich höher bewertet als der allgemeine Konsens.

Das müssen keine unbekannten Spieler sein.

Ein Sleeper kann auch ein Spieler sein, der beispielsweise allgemein als WR35 geführt wird, den du aber als potenziellen Top-20-Receiver siehst.

Wichtig ist:

Schreib diese Spieler auf.

Denn während des Drafts verändert sich die Wahrnehmung.

Ein Spieler, den du vor dem Draft unbedingt haben wolltest, kann plötzlich „zu teuer“ erscheinen, nur weil du gerade zehn andere Picks gesehen hast.

Deine vorbereitete Liste hilft dabei, deine eigene Einschätzung nicht aus den Augen zu verlieren.

9. Habe einen Plan für die letzten Runden

Die letzten Draft-Runden werden oft unterschätzt.

Dabei entstehen hier regelmässig einige der interessantesten Picks.

In diesen Runden solltest du weniger nach sicheren 8-Punkte-Spielern suchen und stärker auf Upside achten.

Wer könnte plötzlich eine grössere Rolle bekommen?

Welcher Rookie könnte explodieren?

Welcher Spieler steht nur einen Ausfall vom Starting Job entfernt?

Welcher Spieler könnte sich innerhalb weniger Wochen in einen Fantasy-Starter verwandeln?

Die letzten Runden sind nicht dafür da, langweilige Spieler zu sammeln.

Sie sind dafür da, Chancen zu kaufen.

10. Lass dich nicht vom Draft-Raum beeinflussen

Das ist vielleicht der wichtigste Tipp. Die Uhr läuft. Alle anderen draften.

Plötzlich nimmt jemand deinen Sleeper.

Dann wird dein Lieblingsspieler gedraftet.

Dann siehst du, dass eine Position überraschend schnell leer wird.

Panik ist der schlechteste Draft-Berater. Atme durch. Schau auf dein Board.

Welche Tiers sind noch verfügbar? Wo entsteht gerade Value? Welche Spieler werden wahrscheinlich bis zu deinem nächsten Pick verschwunden sein? 

Und dann triff eine Entscheidung.

11. Denke an die gesamte Saison – nicht nur an Week 1

Gerade in einer Liga mit Auf- und Abstieg ist der Draft nur der Anfang.

Ein Team muss sich entwickeln können.

Du willst Spieler mit Potenzial, die während der Saison an Wert gewinnen können.

Du willst eine Bank, aus der sich Starter entwickeln können.

Und du willst genügend Flexibilität, um auf Verletzungen, Trades und Breakouts zu reagieren.

Der perfekte Draft existiert nicht. Aber ein guter Draft gibt dir Optionen.

12. Und dann kommt der wichtigste Tipp

Hab deinen Plan – aber sei bereit, ihn zu zerstören.

Das klingt widersprüchlich, ist aber einer der wichtigsten Grundsätze eines guten Drafts.

Bereite dich gründlich vor. Kenne deine Rankings. Kenne deine Tiers. Kenne deine Sleeper. Kenne deine Liga. Kenne deine Gegner. Aber wenn der Draft beginnt, musst du auf das reagieren, was tatsächlich passiert. Denn genau darin liegt der Unterschied zwischen einem vorgefertigten Draftplan und echtem Drafting.

 


 

Denn am Ende zählt nicht, wer den besten Draft hatte.

Es zählt, wer nach 14, 15 oder 17 Spieltagen noch steht.

Aber jeder erfolgreiche Weg beginnt mit demselben Moment:

„You are on the clock.“

Und dann ist es an dir.

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